Sag´ bescheid

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Eine Hassliebeserklärung an die Kirche. Von Katharina von Dessien (Blog: www.thisiskatha.com)

 

„Was redest du da? Die Harry Potter Bücher sind viel besser als die Filme! Sag mir, welche Szene, und ich kann dir genau erklären, wie sie sich vom Original unterscheidet.“ Seit einer Stunde bereits sitze ich hier mit Malte (Name geändert) und diskutiere über Themen, die weit außerhalb meiner Welt liegen.

Malte ist Teil von Unterwegs, einer Studentengruppe, in der ich mitarbeite: In einem Café in der Stadt können Studenten vorbeikommen zum Lernen, Kaffee trinken, auf den Sofas schlafen, quatschen … und die praktische Liebe Gottes erfahren. Die Menschen, die hier durch die Tür kommen, sind echte Charaktere. Englisch-Enthusiasten, Manga-Fanatiker, vegane Aktivisten, überzeugte Atheisten. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihnen Gott vorzuleben, fordert mich unheimlich heraus, über meinen Glauben und das nachzudenken, was ich bisher über Gott weiß. Sie und viele andere sind wie Nägel in meiner Geschichte, die langsam die „christliche Blase“ meines Lebens und Glaubens zerstechen.

ABGEKAPSELT

Diese Blase ist über viele Jahre gewachsen und zu einer sicheren Wohlfühlzone geworden. Ich habe Gott als liebenden Vater und treuen Freund kennengelernt, weil meine Eltern mit den Glauben praktisch vorgelebt haben. Wir sind mehrmals umgezogen, haben eine Zeit lang im Ausland gelebt. Ich bin die verschiedenen Stationen eines frommen Kindes durchlaufen, von Sonntagsschule über Jungschar bis Jugendkreis, habe auf vielen Bühnen gestanden, Lobpreis geleitet oder gepredigt. Ich bin bei allen Aktionen dabei gewesen. Statt mich in eine wilde Pubertät zu stürzen, habe ich die meiste Zeit in der Gemeinde verbracht. Für jede Situation hatte ich einen Bibelvers parat. Viele Menschen haben mich gefördert und mir viel zugetraut, wofür ich ihnen bis heute sehr dankbar bin. Ich habe Gemeinde als eine wunderbare Erfindung kennengelernt, um Gottes Charakter in dieser Welt sichtbar zu machen.

Sie kann natürlich auch schnell zum Verhängnis werden: eine Blase, in der ich mich wohlfühle und mit gutem Gewissen die böse Welt da draußen verurteilen kann. Und in den letzten Jahren hat diese Blase ein paar Risse bekommen.

ABSTURZ

Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich in den letzten Jahren im Gottesdienst war. Ich – die Mitarbeiterin, Lobpreisleiterin, Glaubensvorbild, Ermutigerin, Geberin – habe aufgehört, das fromme Spiel mitzuspielen. Es gibt zu viele Sonntage, an denen ich mich mit leeren Händen und leerem Herz zum Gottesdienst gezwungen habe und wütend wieder gegangen bin. Ich bin ernüchtert darüber, wie schnell man plötzlich alleine dasteht. Das letzte Studienjahr ist unerwartet anstrengend für mich und ich ziehe mich aus vielen Aufgaben zurück. Mir fehlt die Kraft, in Freundschaften zu investieren. Ich brauche Menschen, die in mich investieren, doch so viele Freunde bleiben stumm. Für viele bin ich uninteressant, wenn ich nicht mehr gebe, sondern nur sein kann. Mein Bild von mir selbst und Freundschaft wird erschüttert. Ich bin frustriert darüber, dass vieles an der Oberfläche bleibt, obwohl wir uns als „Familie“ bezeichnen. Das bedeutet doch, Feste zu feiern, aber auch Stürme gemeinsam auszuhalten. Als sich das Leben von seiner dunklen Seite zeigt, beginne ich, an dem zu zweifeln, was ich über mich, Gott und andere Menschen weiß. Scheinbare Glaubensüberzeugungen klingen plötzlich wie hohle Phrasen. Wenn ich versuche, diese Fragen mit anderen Christen zu teilen, bekomme ich oft nur ein „ich bete für dich“ oder „vertrau einfach auf Gott“ als schnelle Antwort. Wer lässt sich schon gerne auf unangenehme Fragen ein, die an deinem bisherigen Fundament rütteln?

 

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