Sag´ bescheid

Die Frau schweige

ES IST JA SELTEN BÖSE GEMEINT, WENN MÄNNERGESELLSCHAFTEN FRAUEN
AUSGRENZEN. MUSS MAN DESWEGEN GLEICH VON SEXISMUS SPRECHEN?
AUCH IN DER GEMEINDE? OH JA, MEINT BJÖRN WAGNER.

Im Kindergarten meiner Tochter machen sie auf heile, sauber getrennte Welt: links die Damen. Rechts die Herren. Man bleibt unter sich. Linker Hand wird gesammelt, geschnitten und gekocht. Rechts gehämmert und gesägt. Was für ein schönes Bild, denke ich, als ich mich mit dem alkoholfreien Begrüßungssekt unter die Eltern mische. Jeder hat was zu tun, überall herrscht eitle Harmonie – hüben wie drüben. Gern hätte ich ein Foto gemacht von dieser kleingesellschaftlichen Gemeinschaft im Grünen, um eine Erinnerung an eine einfache Welt zu haben. Es geht doch. Dann aber begehe ich den Fehler, diese Idylle zu stören, wie zu oft im Leben, mit einer einfachen Frage: „Was kocht ihr denn?“ Ein blondgeringelter Lockenschopf von vielleicht vier Jahren, von Kopf bis Fuß gespickt mit rosa Spängchen, Bändchen und Buttons schaut zu mir auf und skandiert im besten „Dasman- den-Erwachsenen-immer-alleserklären- muss“-Tonfall etwas ungehalten: „Ist doch klar: Jungsgift!“ Nun etwas benommen von der Erkenntnis, dass der heile Schein  trügt, suche ich bei den Jungs etwas Trost und frage (und man kann sich denken, dass ich auch das bereuen werde) die geschäftigen Jungs, was genau sie denn da bauen. „Ein Gefängnis für die Mädchen!“ In eben diesem Ton, beiläufig, als ob exakt ein Mädchengefängnis das Normalste der Welt – zumindest ihrer Welt – wäre. Eine heil anmutende Gesellschaft, unser Kindergarten, mit unterliegendem Geschlechterkampf? Ähnlichkeiten zu anderen heil anmutenden Gemeinschaften sind rein zufällig und nicht beabsichtigt … Ja, das war Ironie!

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