Sag´ bescheid

Egosex

Christina Rammler hat ein Buch über Pornografie geschrieben: „Egosex“. Und das mit dem Namen. In sieben Interviews haben ihr fünf Männer und zwei Frauen ihre Pornobiografien gestanden. Zeit für eine Abrechnung.

Interview: Pascal Görtz und Judith Herm

Christina, andere Leute schreiben Beziehungsratgeber oder Garten-Idylle-Geschenkbücher. Du sprichst mit Fremden über Pornokonsum. Wie kommt man auf sowas?
Ich hatte eine wirklich nachhaltige Begegnung mit einem jungen Mann, der mich in seine Not in Sachen Pornografie mit hineingenommen hat. Er hat das quasi vor mir gebeichtet und ich hab mit ihm gebetet. Diese Begegnung hat mich nachher total beschäftigt. Auf dem Nachhauseweg hab ich mich mit Gott in meinem Herzen unterhalten. Da hatte ich dann einfach einen Blitzgedanken: Schreib ein Buch über Pornografie. Meine erste Reaktion war: Das ist völliger Blödsinn. Wieso soll ich ein Buch über Pornografie schreiben? Doch dann hatte ich plötzlich den Gedanken: Ich heiße ja Christina Rammler. Und plötzlich ergab alles einen Sinn, mein ganzes Leben, immer wenn sie mich verarscht haben wegen meines Namens oder ich mir immer einen blöden Spruch einfallen lassen musste, wenn ich ausgelacht wurde. Dann hab ich gedacht: Hey, Gott, wenn ich als Christina Rammler ein Buch über Pornografie schreibe, muss ich mich nicht mal mehr ums Marketing kümmern. Das ist wahrscheinlich ein Selbstläufer.

Schon seltsam: Über so ein Thema unterhält man sich eigentlich nicht. Plötzlich sitzt du als Frau vor ihnen und sie fangen an, die Hosen runterzulassen und entspannt darüber zu reden. Warum?
Vielleicht einfach, weil ich sie gefragt habe. Weil ich ihnen das Gefühl gegeben habe, dass es okay ist, was sie mir erzählen. Ich war an ihrer Geschichte interessiert. Ich wollte wissen, welche Erfahrungen sie gemacht haben, ohne, dass ich das in irgendeiner Weise bewerte, in eine Schublade stecke oder verurteile. Ich habe sie, glaube ich, mit großem Respekt behandelt. Was auch immer sie mir erzählten: Ich wollte es nicht bewerten. Hinterfragen vielleicht, aber sie wussten, ich lass es stehen und lerne daraus etwas für mich. Es war eine sehr offene, neugierige Atmosphäre.

„Das Tabu macht letzten Endes die destruktive Macht von Pornografie aus.“

Würdest du Pornografie erst als Problem bezeichnen, wenn es zur Sucht wird – oder schon den Konsum an sich?
In meinem Buch hab ich dazu geschrieben: Wenn Pornos Probleme machen, dann sind Pornos das Problem. Der besagte Interviewpartner schaut keine Pornos mehr, da er jetzt eine Freundin hat. Für mich heißt das: Der hat in seinem jugendlichen Wahnsinn, wie das halt viele machen, Pornos konsumiert, weil er neugierig war und man das unter Jungs so machte. Aber er hat kein Problem damit. Für ihn ist es ein Können, kein Muss. Er hat, das muss man bedenken, auch nicht diesen christlichen Hintergrund. Pornokonsum ist im christlichen Kontext eine ganz andere Sache. Als Christ hast du ganz andere Ansprüche an dich selbst und gewisse Glaubensüberzeugungen, das bringt eine ganz andere Sensibilität für die Folgen der Bilderflut mit sich. Da wird Pornografie schneller zum Problem. Erst gestern hatte ich wieder ein Gespräch mit einem jungen Mann, der damit kämpft. Weil er das Gefühl hat, dass sich der Pornokonsum zwischen ihn und Gott stellt.

Hast du deswegen bewusst die moralische Frage vermieden?
Ich bin ja Ethiker. Als Ethiker stellt man erst mal nicht die Frage nach Richtig und Falsch, sondern die Frage nach dem guten Leben. Ist das, was wir tun, auch wirklich gut für uns? Ist es weise, bringt es unser Leben letztendlich zum Blühen? Deswegen bin ich nicht mit einer moralisierenden Brille hingegangen. Außer, wenn Christen sie auf den Tisch gelegt haben. Bei einem Kandidaten hab ich die Frage nach dem Thema Sünde gestellt, um herauszufinden, ob er aufgrund seines Glaubens ein Bewusstsein dafür hat, das andere nicht haben. Aber: Ich muss das alles nicht bewerten. Ich muss nicht moralisieren, was andere Menschen machen. Wir bauen alle immer wieder Scheiße. Letzten Endes ist doch die gute Botschaft, die wir Christen im Gegensatz zu Nicht-Christen haben, dass wir eine Lösungsstrategie haben für allen Müll, den wir fabrizieren. Es geht letztlich nicht um Richtig und Falsch, sondern um eine Haltung, die Paulus empfiehlt: Du darfst alles tun, aber nicht alles dient dir zum Besten. Überleg dir, was du tust: Ist es gut für dich, für deine Beziehungen, deine Sexualität, für deine Beziehung zu Gott?

Das gesamte Interview gibt es in der DRAN NEXT 2/15. Gleich hier als Testabo bestellen!

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