Sag´ bescheid

I have a dream. Ich kann nicht anders.

NICHTS VERÄNDERT DIE WELT SO SEHR WIE GROßE WORTE ZUR RECHTEN ZEIT. WORTE WIE DIE BERGPREDIGT – GOTTES GROßER MOMENT:

Große Menschen halten große Reden. Kurz oder lang – ist fast egal. Aber die Rede muss sitzen. Martin Luther? „Hier stehe ich, ich kann nicht anders!“ Martin Luther King? „I have a dream!“ Nelson Mandela? „Ich lebe dafür, die Vorherrschaft der weißen Rasse zu beenden. Ich bin bereit, dafür zu sterben!“ Große Reden verändern uns! Was mich zu der Frage bringt: Hat Jesus auch eine große Rede gehalten? Und verändert sie mich?

Jesus hat. Natürlich. Als größte Rede kennen wir die Bergpredigt. Sie ist die wohl wichtigste Predigt und Rede der gesamten Menschheit. Auch wenn das, was wir heute als Bergpredigt kennen ursprünglich wohl keine zusammenhängende ewig lange Rede war, sondern eine Sammlung vieler Reden von Jesus. Sie ist sein Manifest. Sein Aufruf zur Veränderung. Sein „Hier stehe ich“. Sein „Ich habe einen Traum.“ Sein „Dafür würde (werde!) ich sterben“. Jesus zeigt uns hier sein. Er erklärt uns, wie sein Reich funktioniert. Was es bedeutet ihm nachzufolgen. Und manchmal denke ich, dass wir als Kirchen und Gemeinden diese Predigt vergessen haben. Kann es sein, dass wir uns mehr über das definieren, was über Jesus gesagt wird, als über das, was er selbst gesagt hat?

Ich versuche gerade, diese Predigt so zu hören, als hörte ich sie das erste Mal. Als säße ich zu Jesu Füßen, auf einem sonnigen Hügel mit Blick auf einen See. Da spricht er, dieser junge Rabbi, von dem alle sagen, dass er anders ist als die anderen. Was sagt er? Wie sagt er es? Ist das für mich wichtig? Dann höre ich, wie er sagt: „Seht euch die Vögel im Himmel an! Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln keine Vorräte, und euer Vater im Himmel ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Matthäus 6,26 NGÜ). Wow. Und säße er heute im Jahr 2014 im Park meiner Stadt, würde er vielleicht sagen: Hey, schau dir die Vögel im Himmel an. Sie arbeiten nicht. Sie studieren nicht. Sie schreiben keine guten Noten. Sie hetzen nicht ins Büro. Sie klettern keine Karriereleiter hoch. Sie versuchen auch nicht die Welt zu retten. Sie leben einfach deshalb, weil Gott sagt: Ihr seid mir wichtig. Sie sorgen sich nicht, weil Gott sich um sie sorgt.

Wir sorgen uns aber. Um unseren nächsten Job. Um unser Geld. Um Ansehen. Um Erfolg. Um Wert. Um Coolness. Um das richtige Gewicht. Um Gesundheit. You name it. Oh ja – wir sorgen uns. Und wenn eine Sache etwas daran ändern kann, dann diese eine Rede des jüdischen Rabbis.

REVOLUTIONÄRES MENSCHENBILD
Jesus, zu dessen Füßen ich ja sitze, hat noch eine radikale Botschaft in diesem Bild von den Vögeln versteckt. Eine Botschaft, die sowohl die Moral in unseren Gemeinden revolutioniert als auch die Sicht auf die Menschen um uns herum. Viele Christen in Kirchen und Gemeinden haben insgeheim ein negatives Bild von der Menschheit – vor allem, wenn Menschen nicht zu Jesus gehören. Da werden Andersdenkende verurteilt, abgelehnt, ausgestoßen. Du bist schwul? Du bist zu dick? Du hast was gemacht? Stempel: Sünder. Wertlos. Du gehörst nicht dazu. Jesus fragt uns hier: Wie bitte? Wie könnt ihr so denken? Jeder Mensch ist wertvoll in den Augen Gottes. Jeder. Punkt. Einfach weil Gott der Schöpfer ihn wunderbar geschaffen hat. Wie könnte Gott der kreative Designer, der sich um die Amsel auf dem Baum kümmert, nicht liebevoll um dich kümmern?

Jesus fordert aber gleichzeitig das Denken unserer Kultur heraus – und auch das steckt ja in mir drin: Der Wert, den wir bekommen, ist kein Selbst-Wert, wie unsere Kultur ihn erfunden hat. Selbst-Wert sagt mir ja: Du bist wertvoll, weil du was kannst, weil du was bist, weil du fest daran glaubst. Heute lassen wir uns ja nicht mehr einreden, dass wir weniger gut sind als andere, nur weil wir anders sind! Wir lehnen diese Verurteilungen ab – die Menschheit ist kein Ge-Schlecht – er ist ein Ge-Gut. Er ist an sich gut, richtig und wertvoll. Auch das lässt Jesus in seiner Rede nicht zu. Er macht den Wert davon abhängig, dass Gott uns den Wert zuspricht. Kein Selbst-Wert, ein Gott-Wert, der in Beziehung zu ihm steht.

SORGENRFEI LEBEN
Wenn ich Jesus zuhöre, dann verändert mich das – wie ich mich sehe, und die, die um mich rum sind. Erstens verstehe ich, dass ich mir nicht täglich zwölf Mal zusprechen muss, wie toll ich bin. Ich verstehe, dass ich mich nicht abhängig machen muss von dem, was ich kann, bin und wie ich aussehe. Ich erkenne meinen Wert in meiner Beziehung zu Gott. Je näher ich ihm bin, desto mehr weiß ich, dass ich wertvoll bin.

Zweitens verstehe ich, dass mein Wert nichts mit der Höhe meines Gehalts zu tun hat. Jesus setzt die Frage des Wertes hier in den Zusammenhang mit Sorgen um Geld. Ich kann arm sein und mich sorgen – und ich kann reich sein und mich sorgen. Ich war arm und reich, und beides kenne ich. Ich kann aber auch arm sein und mich nicht sorgen – und reich sein, und mich nicht sorgen. Auch das kenne ich beides. Der Unterschied ist nicht mein Geld auf dem Konto, sondern meine Nähe zu Gott und meine Gewissheit, wer letztlich mein Versorger ist! Gott ist die Quelle.

Drittens verstehe ich, wie Gott meine Mitmenschen sieht. Ich mache auch ihren Wert nicht mehr an dem fest, was sie tun und worauf sie ihren Wert gründen. Ich verurteile nicht und weise sie auch nicht ständig auf all ihre Fehler und Sünden hin. Stattdessen erzähle ich ihnen davon, wie sehr Gott sie liebt und sucht. Ich verstehe, dass Gott die verlorenen Schafe nicht richtet, sondern sucht, um sie zu retten. Wissen meine Freunde, wie oft Gott an sie denkt? Wie liebevoll er sie anblickt? Wie gern er sie bei sich hat? Oder wissen sie nur, dass sie nicht so sind, wie sie sein sollten?

Jesu Rede hat es in sich. Wenn wir als seine Nachfolger uns davon verändern lassen, verändert sich die Welt tatsächlich. Zu einem besseren Ort. Und die Menschen verändern sich. Zu besseren Menschen.

Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Ich habe einen Traum. Dafür würde ich sterben. Gott liebt. Gott gibt jedem von uns Wert.

Markus Kalb liebt die Bergpredigt, weil sie die Idee von einer neuen Welt in sich trägt.

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