Sag´ bescheid

Jesus und das Banale

„Wenn Gott sich doch so gerne in Essensgemeinschaft zeigt, warum kümmern wir uns nicht viel häufiger um Magen und Seele gleichzeitig?“

Was lehrt uns das Leben des Gottessohns über den Umgang mit dem Alltäglichen?
Jesus braucht für den Heiligen Augenblick kein geistliches TAMTAM. Er heiligt ihn durch seine Gegenwart.

Mit den Evangelien ist es wie im Kino: Wenn gepredigt, geliebt und geheilt wird, ist die Kamera an; aber dass auch der Sohn Gottes wie wir alle Stuhlgang hatte, behalten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes für sich. Wen interessiert schon das Banale? Man könnte den Eindruck bekommen, als seien die drei Jahre, die Jesus mit seinen Jüngern durch Galiläa zieht, ein einziges Highlightfeuerwerk. Der Eindruck täuscht.
Denn es gibt auch die anderen Momente. Momente, in denen Menschen zu sehen sind, wie sie mit ihrem Alltag beschäftigt sind. Wasser holen am Brunnen. Fischen. Freunde besuchen. Oder essen – eine banale Handlung, die zum Leben dazugehört und eigentlich keiner Erwähnung wert ist. Es sei denn, das Heilige bricht mitten hinein ins Selbstverständliche, stellt Lebensentwürfe in Sekundenbruchteilen auf den Kopf, aus heiterem Himmel sozusagen. Dann erscheint eine einfache Begegnung am Brunnen plötzlich als Chance zur Bekehrung, die Tischgemeinschaft als Hort des Segens. Zufall?

Essen, trinken, hungern – wie banal
Was ist in der Bibel schon zufällig? 85 Mal ist im Neuen Testament die Rede vom Essen, 16 Mal vom Durst und 28 Mal vom Hungern. Darunter Bibelstellen, die jeder schon mal irgendwo gehört hat. „Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken!“, ruft Jesus den Menschen seiner Zeit zu (Johannes 7,37). Unsere Leben wird er an der ethischen Prämisse messen: „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr gabt mir zu trinken.“ (Matthäus 25,35)

Nicht umsonst lehrt Jesus seine Jünger die ein oder andere Lektion beim Essen. „Gebt ihr ihnen zu essen!“, gibt er den verdutzt dreinschauenden Jüngern zur Antwort, als sie wissen wollen, wie Jesus den Hunger der „5000“ praktisch stillen will (Matthäus 14,16b). „Während des Abendessens“ überschüttet Maria Magdalena Jesu Kopf mit Salböl. „Während des Abendessens“ wird der Zöllner Matthäus von jetzt auf gleich ein anderer Mensch. Während des Abendessens gibt Jesus seinen Jüngern vor seiner Auslieferung am Gründonnerstag sein Vermächtnis weiter. Und während des Abendessens gibt sich der Auferstandene den Emmaus-Jüngern zu erkennen. Das ist kein Zufall.

Ich habe Hunger.
Ich bin bedürftig.
Jesus wusste, was uns das Essen bedeutet. Es ist mit das Elementarste, was unser Menschsein ausmacht. Es berührt ein primäres Bedürfnis. Atmen, trinken und essen. Wir können nicht ohne leben. Das macht es zu etwas Besonderem, auch wenn es noch so profan ist. Im gemeinsamen Essen sind wir uns unserer Bedürftigkeit bewusst. Hier trifft uns Jesus ganz „nackt“ und „elementar“. Das macht das gemeinschaftliche Essen zu einem banalen wie wirksamen Nährboden für das Erleben des Heiligen. Es öffnet uns für die gemeinschaftliche Erfahrung unserer Menschlichkeit, trotz aller Individualität und Unterschiedlichkeit. Im Essen sind wir alle gleich.

Diese Erfahrung teilen wir auch beim Abendmahl. Wenn wir uns gemeinsam daran erinnern, wie Jesus durch sein Leben und Sterben für uns zu „Brot und Wein“ wurde, sehen wir den Gottessohn, der unsere Bedürftigkeit auf seinen Schultern trägt. Im scheinbar Banalen lässt uns Gott teilhaben an seinem göttlichen Wesen und seiner freimachenden Offenbarung.

Können wir daraus nicht was für unseren Alltag lernen? Für den Tag am See oder den Grillabend auf der Dachterrasse? Warum laden wir Gott nicht ein, dass er uns durch seinen Geist so eins macht, dass wir als Tischgemeinschaft offen sind für seine Wirklichkeit? Wenn Gott sich doch so gerne in Essensgemeinschaft zeigt, warum kümmern wir uns nicht viel häufiger um Magen und Seele gleichzeitig?
Da, wo ich Gott zutraue, mich mit seiner Gegenwart umzuhauen, ist plötzlich nichts mehr so banal, wie es scheint. Deshalb: Vergesst nicht zu leben! Und Gottes Gegenwart im Alltäglichen zu erwarten.

Pascal Görtz will Gott zutrauen, jeden noch so belanglosen Moment des Lebens in etwas Besonderes zu verwandeln.

Bild: flickr.com/Johannes Gilger_CC BY-SA 2.0

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