Sag´ bescheid

Johannes Falk: „Ich weiß nicht, ob Gott sich als christlich bezeichnen würde“

„Denn alles, was ich bin bin,
bin ich durch dich.
Ich atme ein und aus, ich atme dich.“

Johannes Falk in „Alles, was ich bin“, Album: 360°

 

Johannes, warum glaubst du eigentlich?
Ich bin ein sehr nachdenklicher Typ und beschäftige mich viel mit dem Leben und dem Tod. Ich kann mich nicht damit zufrieden geben, über diesen Planeten zu laufen und so zu tun, als wäre das jetzt alles. An Gott zu glauben, ist für mich eine gute Alternative zum Atheismus. Ich lebe gut damit, zu vertrauen. Der Glaube bringt eine grundsätzliche Gelassenheit in mein Leben.

Und warum glaubst du ausgerechnet an den christlichen Gott? Hast du dich auch mal mit den anderen Religionen auseinandergesetzt?
Ich hab mich nicht intensiv mit anderen Religionen beschäftigt, aber für mich ist „christlich“ sowieso eine Kategorie, die die Menschen erschaffen haben – genauso wie Religion. Von daher: Ich weiß nicht, ob Gott sich als christlich bezeichnen würde. In solchen Kategorien denke ich nicht mehr. Ich glaube an den Schöpfergott, ich glaube an die Dreieinigkeit. Von mir aus können die Leute das christlich nennen, mir ist das aber egal.

Woher kommt dein Glaube? Wie viel davon ist anerzogen?
Ich bin sehr christlich-konservativ sozialisiert aufgewachsen und ich hätte das einfach alles übernehmen können. Aber es kam eine Phase in meinem Leben, wo ich keinen Bock mehr darauf hatte, weil das anerzogene Gottesbild nicht in mein Umfeld und Weltbild passte. Ich musste mich auf die Suche begeben, habe viel gegrübelt, mir die Welt und meine Freunde angeguckt und andere Menschen kennengelernt. Ich halte es für essenziell wichtig, das eigene Gottesbild immer wieder zu hinterfragen. Woher es kommt und was mich dazu bewegt, so zu glauben. Wenn wir das häufiger tun würden, hätte sich schon einiges in unserer Gesellschaft getan.

„Ich halte es für
essenziell wichtig, das
eigene Gottesbild immer
wieder zu hinterfragen.“

Warum sollte unser Gottesbild wandelbar bleiben?
Auf meinem neuen Album „360°“ gibt es den Song „Mona Lisa“, der von einem Gespräch mit einem Freund inspiriert ist. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es mit Gott eigentlich so ist wie mit einem Mobile oder einem Bild. Man schaut es sich an und es gibt verschiedene Facetten und Perspektiven. Wir interpretieren die Mona Lisa und jeder schreibt irgendwelche Arbeiten darüber und jeder kommt zu einem anderen Schluss. Ich glaube, so ist das auch mit Gott: Er ist so individuell, dass er in keine Kategorie zu packen ist. Man guckt drauf und der eine entdeckt das und der andere entdeckt das und es gibt immer wieder etwas Neues zu sehen.

Sind unsere Aufsplitterungen von christlichen Glaubensgemeinschaften wie zum beispiel katholisch, evangelisch, freikirchlich, freikirchlich-charismatisch dann vielleicht auch zu engstirnig?
Ja, ich versuche mich von diesen Kategorien zu trennen. Ich war mal mit einer ökumenischen Pilgergruppe unterwegs und das hat mir den Horizont erweitert und mir gezeigt, wo ich oft grundlos abwertend über die katholische Kirche gedacht habe. Wenn man sich mal wirklich mit den Leuten beschäftigt – nicht mit dem Vatikan und nicht mit dem Papst, sondern mit den Leuten, die in die katholische Kirche gehen und den katholischen Glauben leben –, dann haben die uns zum Teil wirklich einiges voraus. Sie leben den Glauben anders, aber das muss man auch so stehen lassen. Eigentlich würde ich sogar fast noch ein bisschen weiter gehen. Ich finde auch das Bild, das viele Christen vom Islam haben, überdenkenswert. Ich sage jetzt nicht, dass der Islam mit christlichen Konfessionsströmungen über einen Kamm zu scheren ist. Ich finde aber, dass es auch zu leicht ist, zu sagen: Der Islam ist eine Religion des Satans. Wenn ich mir die Geschichte des Islam angucke, zum Beispiel, dass Ismael auch eine Prophetie von Gott bekommen hat, dann verstehe ich das nicht. Da komme ich als Mensch an meine Grenzen und deswegen wage ich es nicht, ein Urteil darüber zu sprechen.

Wer wärst du ohne Glauben?
Ich wäre wahrscheinlich ein ganz normaler Mensch, der atheistisch sein Leben lebt, in dem Glauben, dass nach dem Tod alles vorbei ist. Gott sei Dank ist dem nicht so.

Interview: Lara Piepiora

Foto: Sergej Falk

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  1. Richy

    Hi Maggi, wer macht Krieg? Wer mordet Menschen? Wer kriegt den Mund nicht voll? Der Mensch! Das kommt nicht von Gott. Er hat uns den freien Willen geschenkt und so kommt alles Böse vom Mensch – aber auch alles Gute. Das bleibt eben jedem selbst überlassen. Gott hat uns seinen einzigen Sohn geschenkt aber wir Menschen hatten nichts Besseres zu tun als ihn zu töten…
    …aber er ist auferstanden, Jesus lebt!

  2. Richy

    zu Antwort 2: Das ist mal eine Aussage, Respekt! 100% korrekt und erstrebenswert. Damit liegst du weit vorne und ich bin gerne dabei.

  3. Pat

    Ganz einfach, wir haben einen freien Willen.

  4. Maggi

    aber wieso gibt es so viel krieg und warum macht Gott nichts dagegen? Wenn er will kann er das!

  5. Maggi

    Johannes Falk, ich bin ganz deiner Meinung

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