Sag´ bescheid

Kann man das wörtlich nehmen? Die Bibel.

Wo kämen wir hin, wenn wir jeden Satz der Bibel so leben würden, wie er geschrieben steht? Müssten wir das nicht konsequenterweise tun? Oder allgemein: Wie lese ich die Bibel richtig?

Von Phillipp Wiens

„Wenn dich dein rechtes Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus und wirf es weg!“, sagt Jesus in seiner berühmtesten Rede, der Bergpredigt (Matthäus 5,29; EÜ). Nähmen wir die Bibel an jeder Stelle absolut, dann wären wir eine Nation von Einäugigen. Oder weniger dramatisch: Die Rostbratwurst aus Schweinefleisch wäre genauso tabu (3. Mose 11,7) wie ein T-Shirt von H&M, in dem Baumwolle und Polyester gemischt werden (3. Mose 19,19).

Wird die Bibel also gefährlich, wenn man sie zu ernst nimmt? Ziehen wir dann womöglich wieder in einen Heiligen Krieg? War es nicht der christliche Glaube, der in der Geschichte für unnötiges Blutvergießen gesorgt hat? Oder anders gefragt: Was hilft dabei, die Bibel so zu verstehen, wie sie gemeint ist?

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  1. Anja Werner

    Gebe euch da recht. Die Bibel ist ein Beziehungsbuch. Sie lehrt uns wie Jesus ist. Wie wir mit ihm und durch ihn leben sollen. es begeistert mich wie einfache Menschen berufen werden und ihre Geschichte mit Gott erzählen. Sie bleibt ein altes, aber für uns bis heute ein aktuelles Buch um Beziehung mit Gott und Jesus zu erleben.

  2. Sara

    Ich denke, dass man nicht einfach einen einzigen Satz aus der Bibel heraus picken und diesen für absolut nehmen kann. Der Kontext, die Adressanten und die Situation welche den Satz umschließen sind einfach wichtig. Wenn man sich zum Beispiel die Briefe anschaut und sieht was dort an die Korinther geschrieben wurde, dann muss man auch die Situation in Korinth verstehen, damit man die Anweisungen für das Verhalten der Frau im Gottesdienst (1. Korinther 11) richtig versteht.
    Und grade dieser Fakt, dass man eben nicht jeden Satz für absolut nehmen kann, finde ich einfach total faszinierend und aufregend. Es geht eben darum, die Bibel als Beziehungsbuch zu nehmen und alle Facetten zu verstehen und miteinander in Beziehung zu setzten, Es ist kein Buch, was man von vorne bis hinten durchliest und dann sagt: „Schöne Geschichte“. Es ist viel mehr und das macht es so unglaublich aufregend! Und gerade die Vielschichtigkeit der einzenen Sätze und Geschichten und wieso dies dort geschrieben steht macht es spannend Gottes Werk der Bibel Stück für Stück zu entdecken und zu begreifen.

  3. caseelse

    Ich persönlich glaube, dass die Bibel vor allem dann gefährlich wird, wenn wir sie benutzen, um unsere eigenen Meinungen zu begründen – denn das geht wahrscheinlich immer und mit jeder Meinung, wenn man nur lange genug eine Konkordanz wälzt. Die Bibel ist weniger ein Gesetzbuch oder Geschichtsbuch als vielmehr ein Beziehungsbuch. In ihr geht es um die Beziehung zwischen Gott und den Menschen, und sie wird sehr schnell missverstanden, wenn beim Lesen diese Beziehung keine Rolle spielt. Aber je besser ich mit der Bibel insgesamt vertraut bin und je besser ich Gott selbst kennenlerne, desto besser werde ich auch solche Passagen einordnen können, die aus dem Rahmen zu fallen scheinen. Mir persönlich hilft beim Verstehen auch immer ein Blick auf den Hintergrund eines Textes, also auf den kulturellen und zeitgeschichtlichen Kontext, aber auch auf die Situation des Verfassers und der Empfänger (z. B. bei Briefen). Das wird dann oftmals auch noch viel spannender, als wenn ich Abschnitte nur isoliert lese und versuche, auf meine heutige Situation anzuwenden.

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