Sag´ bescheid

Pohlmann: „Ich war der, der immer lachte.“

POHLMANN IST OPTISCH DERSELBE WIE NOCH VOR 11 JAHREN, ALS ER UNS MIT „WENN JETZT SOMMER WÄR‘“ VOM SOFA SCHUBSTE. DAMIT WAR ER FRÜH AUF DIE ROLLE DES GUTE-LAUNE-MUSIKERS FESTGELEGT. ABER IRGENDWAS IST ANDERS, DENKEN WIR, ALS WIR IN EIN SEHR ERNSTES GESPRÄCH ÜBER DIE „WELT IN UNS“, ÖKOLOGISCHE VERANTWORTUNG UND ÜBER DAS „LEBEN ZWISCHEN TOTALER MELANCHOLIE UND SELBSTVERARSCHUNG“ VERWICKELT WERDEN.

Interview: Sarah Rauschenberger

11 JAHRE IST DEIN ERSTER HIT INZWISCHEN HER, VIER JAHRE DEIN LETZTES ALBUM. ERKLÄR DOCH MAL JEMANDEM, DER DEINE ENTWICKLUNG SEITHER NICHT IM DETAIL MITVERFOLGT HAT: WAS HAT DEIN LEBEN IN DEN LETZTEN JAHREN AM MEISTEN GEPRÄGT?

Ich habe eine Tochter bekommen. Vater zu werden und zu begreifen, was das bedeutet und die Verantwortung zu übernehmen, hat mir geholfen, mich ein bisschen auf Spur zu bringen und nicht mehr egomäßig mein Ding durchzuziehen. Da habe ich gemerkt, jetzt will ich mich verändern und das ist echt schön, weil man mehr bekommt als man aufgibt. Der frühere Ingo war welpenhafter, konnte mor-gens einfach nur aufstehen und rumlachen. Ich war der, der immer lachte. Diese „Mir-ist-das-alles-egal“-Haltung passt nicht mehr, weshalb ich seit zwei Jahren auch keinen Alkohol mehr trinke. Ich bin nachdenklicher geworden, setze mich mehr mit dem Menschsein und der Welt auseinander und komme immer mehr bei mir an. Das hört man auch auf der neuen Platte.

IN DEM LIED „SILVESTERMOND“ GREIFST DU DAS THEMA ALKOHOL AUF UND SAGST: „ICH HAB MIR VORGENOMMEN, DASS ALKOHOL MIR NICHT MEHR STEHT.“ WIE KAMST DU ZU DIESER ERKENNTNIS?

Alkohol war bei mir lange ein Thema. Ich vermisse es heute noch, wenn ich nichts trinke an einem schönen, gemütlichen Abend, nach ’nem Gig oder vor ’nem Off-day, wo alle zusammenhocken, zwei drei Bier im Kopf haben, alte Geschichten auspacken und auf diesem Gefühl surfen. Das Problem war irgendwann: Wenn man älter wird, werden die Katertage länger, und mit dem Kater auch die Konzerte am nächsten Abend. Alkohol kann ganz tolle Sachen. Ich bin heute kein Antialkoholiker, ich gönne das jedem, diesen Rausch auszuleben. Nur irgendwann muss der Punkt kommen, wo man sagt, okay, ich trinke jetzt nicht weiter. Und den hatte ich nicht, wenn ich nach der Bühne unter Menschen war. Jetzt habe ich die ganze Zeit Wirklichkeit. Das ist auch ein Rausch.

BEI DEM COVER DEINES NEUEN ALBUMS SIEHT MAN DICH AN EINEM POOL SCHLABBERND MIT EINEM HUND. WIEVIEL SELBSTAUSSAGE STECKT DA DRIN?

Die war natürlich nicht im Vorhinein geplant. Im Nachhinein ist das eine schöne Aussage. Sie rangiert zwischen totaler Melancholie und Selbstverarschung – und da bin ich auch zu Hause. Ich bin ein total kitschiger, melancholischer, fast melodieverliebter Sänger. Ich möchte das Herz berühren, ohne das Hirn zu beleidigen. Dazu gehört auch Humor. Das muss man austarieren und das gelingt mir immer besser. Diese Geschichte mit dem Hund sollte ein Facebookbild werden. Wir standen an dem Pool und jeden Morgen kam dieser Hund an und trank. Das war übrigens ein Forellenteich innerhalb der Sierra Nevada, und da hab ich gedacht, komm, jetzt setze ich mich zu dem Hund und sauf mit ihm aus dem Pool. Zwischen den 1.300 Bildern, die wir in diesen drei Tagen gemacht haben, waren lauter Universal-Superstarbilder, bei denen wir dachten „die verkaufen Platten“. Aber bei diesem Bild haben alle, auch Plattenfirma und Management, gesagt: „Scheiß drauf, das ist das Coverbild!“

Neugierig geworden? Das vollständige Interview kannst du in der aktuellen DRAN NEXT lesen.

 

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