Sag´ bescheid

Redet doch, um Himmels willen!

(Quelle: Thinkstock_Oinegue)

WARUM EINE „TURN OR BURN“-HALTUNG BEI ANDERSGLÄUBIGEN NICHTS BRINGT.

Wenn Fabienne Iff mit anderen Christen über interreligiösen Doalog spricht, halten die meisten wenig davon. Liegt es am Unwissen, wie interreligiöser Dialog aussieht? Oder weshalb verschließen sich Christen bewusst einem Dialog mit Andersgläubigen?

Freitagmittag in der Mensa. Meine beste Freundin und ich verschlingen dampfende Pasta. Sie erzählt von ihrer Vorlesung, ich von einem Event, das ich für den interreligiösen Dialog mit Muslimen organisiere. Zur schonungslosen Ehrlichkeit verpflichtet, weil beste Freundin, bemerkt sie zwischen zwei Gabeln: „Ich sehe nicht, was an diesem interreligiösen Dialog so relevant sein soll. Klar, die Muslime profitieren davon, weil sie gerade ein schlechtes Image haben. Wollen die euch nicht überrumpeln, bekehren und so an Macht gewinnen, oder ein pseudotolerantes Bild von sich schaffen?“ Ein paar Wochen später wird mein ungutes Gefühl bestätigt, dass ich eine Minderheitsmeinung vertrete. Vor der Vorlesung sitze ich mit Freunden in einer Runde, als wir auf das Thema zu sprechen kommen. „Ich bin für ‚turn or burn’“, frotzelt ausgerechnet der Theologiestudent. „Naja, das klingt vor allem gut“, gesteht er, „aber ich halte es mit Apostelgeschichte 17: Denjenigen, die einen unbekannten Gott anbeten, verkündige ich, wen sie unwissend verehren.“ Welchen Sinn soll er da noch im interreligiösen Dialog sehen?

WAHRHEITSKRIEGE

Wer auf diese Weise evangelisiert, hat kein Interesse an Gesprächen auf inhaltlicher Augenhöhe. Die Leute sollen möglichst schnell zu Jesus finden ¬¬– warum sich noch lange mit ihrer Meinung und ihren Werten aufhalten? Wir sprechen über unseren Glauben, als sei er ein universelles Raster, nach dem man sein Leben zu ordnen habe. Wir beanspruchen als Christen selbstverständlich die Deutungshoheit in Weltanschauungsfragen, ohne dass uns jemand das Mandat dazu gegeben hätte. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn mein hinduistischer Nachbar dasselbe täte. Wenn er mir Morgen für Morgen im Hausflur ungefragt sein Raster aufzudrängen versuchte. Wenn er in aller Dringlichkeit wiederholte, dass ich mich in Glücksfragen nur dem Elefantengott Ganesha zuzuwenden brauche. Warum sollte ich ihm verbieten, was ich mir selbst herausnehme? Bah! Brauche ich nicht! Solches Kampfgerangel finde ich frustrierend und für beide Parteien wenig ergiebig. Emil Brunner, ein Schweizer Theologe, kritisiert in seinem Buch „Wahrheit als Begegnung“ das griechische Verständnis, das Wahrheit als etwas objektiv Feststellbares versteht. Vielmehr plädiert er für ein personales Wahrheitsverständnis nach Johannes 14,6: Dort bezeichnet sich Jesus als Wahrheit. Wenn Wahrheit an eine Person gebunden ist, so Brunner, lässt sich Wahrheit in einer Begegnung mit Jesus finden. Wahrheit äußert sich, indem der Mensch in Beziehung zu Gott tritt. Das ist kein Raster, sondern eine höchst lebendige Angelegenheit. Weil ich mir wünsche, dass mein Glaube für voll genommen wird, kann und will ich anderen nicht anders begegnen. Von der Haltung werde ich mich auch nicht von Kampfatheisten, ignoranten Agnostikern oder anstrengenden Andersgläubigen abbringen lassen. Umso wichtiger finde ich Orte, an denen Diskussionsregeln vereinbart und respektiert werden. Das ermöglicht gute Beziehungen, und gute Beziehungen sind für mich der Nährboden für gleichberechtigte, ehrliche Kommunikation. Wie wollen wir als Christen denn anschlussfähig und relevant bleiben, wenn wir nur nach unseren Spielregeln diskutieren wollen?

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