Sag´ bescheid

Vergesst die alten Moralvorstellungen!

Von wegen moralischer Zeigefinger und Opferhaltung: In seinem neuen Buch schreibt Martin Dreyer über Seiten von Jesus, die in Vergessenheit geraten sind. Der Volxbibel-Herausgeber und Gründer der Jesus Freaks im Gespräch über falsche Gottesbilder, Sexualität und Feindesliebe.

Interview: Simon Jahn
Foto: André Wedemann/Fotostudio Berlin

 

Martin Dreyer ist ein Unikat: Der Freaksgründer, Volxbibel-Initiator und „Liebe auf den ersten Blick“-Fernsehtheologe gehört zu den medial präsentesten Persönlichkeiten der christlichen Welt. Trotzdem wagt er sich immer wieder an Projekte und Themen, die anderen zu heikel sind. Das hat ihm den Ruf eingebracht, in theologischen Positionen unvereinnehmbar zu sein. In seinem neuen Buch „Der vergessene Jesus“ hinterfragt er das Christusbild, das Gemeinden durch ihre Sprache und Bibelexegese vom Menschensohn zeichnen.

 

Martin, wir unterhalten uns heute über jemanden, den wir beide noch nie gesehen oder getroffen haben. Wer ist denn dieser Jesus eigentlich?

Jesus ist für mich Held, Vorbild, Weltveränderer, Gott, Mensch; jemand, den ich anbete, der mir aber auch die Füße wäscht; jemand, zu dem ich hinkommen muss, der mich andererseits auch abholt; jemand, den ich seit meinem 18. Lebensjahr versuche zu verstehen.

Dein neues Buch heißt „Der vergessene Jesus“. Wer hat Jesus denn überhaupt vergessen und warum eigentlich?

In unserer zunehmend säkularen westlichen Welt gerät Jesus einfach immer mehr in Vergessenheit – seine Botschaft, sein Wirken, sogar seine Kirche. Alle Denominationen kämpfen heute mit Mitgliederschwund. Und die Freikirchen, die wachsen, tun das nur durch Churchhopping. Trotz vieler missionarischer Aktivitäten scheint dieser Schrumpfungsprozess nicht aufzuhalten. Selbst innerhalb der Kirchen rund um die Welt sind manche Seiten an Jesus in Vergessenheit geraten – auch wenn man den Jesus, über den ich schreibe, durchaus in der Bibel findet.

Welchen Jesus findet man heute in den Kirchen?

Das ist natürlich schwer zu verallgemeinern. In älteren Kirchen, vor allem in katholischen, finde ich häufig einen sehr religiösen, leidenden Jesus, der am Kreuz hängt und blutet; einen Jesus, der Mitleid oder Schuldgefühle erzeugen soll. Und das finde ich sehr schräg. Denn der Kreuzestod – so zentral er auch für den Glauben ist – bildet nur einen kleinen Ausschnitt, wenn ich mir das ganze Leben von Jesus anschaue. Für viele Menschen, die Vergebung suchten, ist das aus dem schlechten Gewissen heraus sicherlich der Zugang zum Glauben gewesen. Aber wenn ich mir unsere heutige Gesellschaft anschaue, ist das nichts, was Leute noch in die Kirchen zieht. Für ein schlechtes Gewissen sorgt doch schon unsere Leitungsgesellschaft.

Neugierig? Das vollständige Interview liest du in der Ausgabe 7/16. Hier kostenlos testen…

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