Sag´ bescheid

Allein unter Glaubenden

WIE IST DAS EIGENTLICH, WENN MAN BEI EINEM CHRISTLICHEN ARBEITGEBER ANGESTELLT IST: KANN MAN SICH DA GLAUBENSZWEIFEL LEISTEN? ARTHUR  UND KATJA MACHEN DAS GERADE DURCH.

Für die meisten Menschen besteht die Arbeit aus einer Aneinanderkettung von Ritualen, Pflichten und Aufgaben. Routine eben. Auch für Arthur* und Katja*. Gäbe es in ihrem Arbeitsalltag nicht noch mehr. Nicht noch etwas, das jenseits ihrer Kompetenz ihre Persönlichkeit berührt: Ihren Glauben, oder das, was davon noch übrig ist. Seit rund einem Jahr ist Arthur raus. Raus aus dem Glauben. Raus aus dem, was er einmal für wahr und wichtig hielt. Trotzdem arbeitet er weiterhin in einem christlichen Werk, hat Tag für Tag mit dem zu tun, wovon er sich eigentlich verabschiedet hat. Auch Katja arbeitet in einem christlichen Werk. Anders als Arthur hat sie sich nicht von ihrem Glauben verabschiedet. Allerdings zweifelt sie an vielem, was ihr als wahr, als richtig, als „ist so“ präsentiert wird. Wie können beide ihre Arbeit, anderen vom Glauben zu erzählen, fortführen, wenn sie selbst nicht wissen, was sie glauben sollen und was nicht?

DAS FUNDAMENT BEKOMMT RISSE
Als Christ in einem christlichen Unternehmen zu arbeiten, erscheint den meisten als ein echtes Gottesgeschenk. Umgeben von  leichgesinnten darf man während der Arbeitszeit beten, in der Bibel lesen und etwas für die geistliche Weiterentwicklung mitnehmen. Doch wenn plötzlich unbequeme Fragen auftauchen und es auf einmal keinen Spaß bereitet, über den kommenden Gottesdienst oder das eigene Gotteserleben zu reden, wird das Geschenk schnell zum Fluch – weil es nichts gibt, worüber man auf dem Flur oder in der Kaffeepause mit seinen Kollegen reden könnte. So fühlte es sich für Katja an. Persönlichen Auseinandersetzungen mit Glaubensthemen ging sie aus dem Weg. „Ich wusste einfach, dass ich mit meinen Fragen und Zweifeln anecken würde, dass sie vielleicht nur wenige verstehen würden“, erklärt sie die Beweggründe für ihr Schweigen. „Auch als Berufschrist sollte man professionell auftreten und arbeiten. Natürlich fiel es mir nicht immer leicht, meine Arbeit fortzuführen. Und bei Manchem, was ich gesagt, geschrieben, gelesen oder gesungen habe, hat sich alles in mir zusammengezogen. Zumal ich auch nicht erklären kann, woher meine Zweifel eigentlich kommen. Sie waren auf einmal einfach da. In den christlichen Kreisen, aus denen ich komme, erzählt man immer erst hinterher von Wüsten- oder Leidenszeiten. Niemand würde sich vorne im Gottesdienst hinstellen oder zum Chef gehen und sagen: ,Übrigens, ich glaub grad nicht mehr.‘ Im schlimmsten Fall hätte ich meinen Job riskiert, der mir eigentlich viel Freude bereitet.“

*Namen geändert

Neugierig? Den vollständigen Text liest du in der Ausgabe 4/16. Hier abonnieren oder kostenlos testen…

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