Sag´ bescheid

Die Heimatsucher

ZU GAST IM SHAREHAUS REFUGIO

SVEN LAGER UND SEINE FRAU SIND AUTOREN, WELTENBUMMLER UND LEBENSKÜNSTLER. VOR EIN PAAR MONATEN HABEN SIE DAS SHAREHAUS REFUGIO GEGRÜNDET, BERLINS OVRZEIGE-FLÜCHTLINGSPROJEKT. AUF MEHREREN ETAGEN LEBEN HIER DEUTSCHE, AFGHANEN, SYRER UND SOMALIER DEN GEMEINSAMEN TRAUM VON EINER NEUEN GESELLSCHAFT.

Im Eingangsbereich des Sharehaus Refugio tobt unter der Woche das Leben: In dem gemütlichen Kiez-Café treffen sich Studierende mit ihren Lerngruppen, in der Luft hängen Fet-zen von Deutsch, Englisch, Arabisch. Auf dem Weg zum Aufzug fährt mir ein etwa zwölfjähriger Junge auf seinem Skateboard in die Hacken. Wer ich denn sei, will er wissen. Patricio lebt mit seiner Familie hier und soll eigentlich im Nebenraum Hausauf-gaben machen. Viel lieber flirtet er mit den Besucherinnen. Ich nehme den Fahrstuhl bis in den sechsten Stock, wo ich einen großen Dachgarten mit Aussicht über halb Berlin betrete. Der Stadtlärm ist hier genauso weit weg wie Hetze oder Termin-druck. An einem Tisch in der Ecke pauken zwei junge Männer Deutschvokabeln. Ich setze mich einfach und genieße die Lang-samkeit. Sven gesellt sich zu mir.

DRAN NEXT: WAS FÜR EIN TOLLER ORT! IHR HABT RUHE, IHR HABT LEBEN – EINE SCHÖNE ABWECHSLUNG. WIE SEID IHR AUF DIESEN POETISCHEN NAMEN „REFUGIO“ GEKOMMEN UND WAS BEDEUTET ER?
Sven Lager: Refugio ist der Name für die Pilgerherbergen auf dem Jakobsweg in Spanien. Wir betrachten uns alle in diesem Haus, uns eingeschlossen, als Wanderer. Die Geflüchteten suchen neue Heimat und wir suchen nach neuen Formen der Gesellschaft. Wir sind ja nicht die Angekommenen und die anderen sind die Suchenden. Und da begegnen wir uns wieder auf der gleichen Ebene, was uns hier so wichtig ist.

WIE KAMT IHR ALS AUTORENPAAR AUF DIE IDEE, EIN SHAREHAUS ZU GRÜNDEN?
Wir haben als Familie zehn Jahre in Südafrika gelebt und dort Gott kennengelernt. Seitdem hat uns die Idee der urchristlichen Gemeinschaft fasziniert. Das, was mit Kirche ursprünglich gemeint war. Wie teilt man sein Leben? In Südafrika haben wir das erste Sharehaus gegründet. Ein Haus für junge Kreative mit Kunsthandwerk und Workshops zur gegenseitigen Bereicherung. Wir wollten die jungen Leute ermutigen, ihren Lebensunterhalt mit dem zu verdienen, was ihnen Spaß macht. Jeder Mensch hat gottgegebene Talente und Fähigkeiten, die wir fördern wollen. Das ist ein Ansatz, der auch bei Leuten ankommt, die mit Religion nichts anfangen können.

UND WIE IST EURE IDEE NACH BERLIN GEKOMMEN?
Als wir letztes Jahr zurück nach Deutschland zurückkamen, war die Berliner Stadtmission so genial zu sagen: Diese Sharehaus-Idee finden wir toll. Wollt ihr sowas hier umsetzen? Ohne genau zu wissen, wie unser Konzept in Berlin funktionieren könnte, haben wir einen Laden in Kreuzberg eingerichtet und eine offene Plattform für Ideen geschaffen. Unter anderem sind öffentliche Abendessen entstanden, ein Chor, ein Müttertreff, Malkurse, Co-Working und ein Raum für Veranstaltungen.

MITTLERWEILE WOHNT IHR MIT GEFLÜCHTETEN ZUSAMMEN, HIER IN NEUKÖLLN. WIE KAM ES DAZU?
Irgendwann kamen Kunststudenten und andere Leute in den Laden, die mit Geflüchteten Workshops machen wollten. Uns war klar, dass Geflüchtete ein extrem wichtiges gesellschaftliches Thema sind. Deshalb haben wir überlegt, wie wir noch mehr in dem Bereich machen könnten. Die Stadtmission hat gesagt: Es gibt da dieses Haus in Neukölln, ein ehemaliges Altenheim, das teilweise leer steht. Das könnt ihr nutzen. Daraufhin haben wir uns verschiedene Projekte angeschaut, in denen Deutsche mit Geflüchteten zusammenleben. Irgendwann wurde klar: Wir wollen zusammen leben, arbeiten, ein Café eröffnen und gemeinsam ein Kreativ-Haus aufbauen.

Das vollständige Interview liest du in der Ausgabe 2/16. Hier abonnieren oder kostenlos testen…

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