Sag´ bescheid

Helden der Umwelt

Mit dem Müll aufsammeln ist es wie mit dem Joggen. Man weiß genau, dass es eine gute Sache ist, und trotzdem fällt es schwer, sich aufzuraffen. Wie also schafft man es, Menschen auch noch zu einer Kombination aus diesen beiden Aktivitäten zu motivieren?

Mit Glühwein zum Beispiel. Mit diesem Bonus lädt zumindest die Initiative „Zero Waste Bonn“ anlässlich der europäischen Woche der Abfallvermeidung zum gemächlichen aber effektiven „Plockwalk“ rund um den Bonner Hofgarten ein. Anschließend können die Teilnehmer sich in gemütlicher Atmosphäre auf dem Bonner Weihnachtsmarkt austauschen. So bekommt die sportliche Umweltsäuberung Eventcharakter.

VERANTWORTLICHES HANDELN
Als Begründer des Phänomens gilt der Schwede Erik Ahlström. Schockiert von dem verunreinigten Stadtbild in Stockholm, motivierte er Menschen in seinem Umfeld dazu, Müll aufzusammeln, wenn sie sich draußen bewegten. Schnell fand sich eine kleine Gemeinschaft zusammen, die Spaß daran fand, auf diesem Wege Natur und Stadt sauberer zurückzulassen. „Ich wurde ein bisschen wie ein Held gefeiert“, so Ahlström. Er prägte auch den Begriff des „Ploggens“, der sich aus dem schwedischen Wort „plocka“ für aufsammeln und „joggen“ zusammensetzt. Für ihn handelt es sich dabei nicht nur um eine sinnvolle Freizeitaktivität, sondern um verantwortliches Handeln uns selbst und der Umwelt gegenüber: „Den Menschen ist vielleicht nicht bewusst, dass der Plastikmüll ins Meer geweht wird und dass der Fisch, den wir essen, daher große Mengen Mikroplastik enthält.“ Im Laufe von weniger als sechs Monaten wuchs so eine Bewegung, die weit über das lokale Entmüllen hinausging. Ganz zu schweigen von unzähligen Privatpersonen, die den Müll schon aufgesammelt haben, bevor es trendy war. Auch deutschlandweit haben sich inzwischen Communities gegründet, die regelmäßig zusammen ploggen.

BELOHNUNGSYOGA
So wie in Bonn. Annalena van Beek ist Gründerin der Umweltinitiative „Zero Waste Bonn“ und arbeitet als Yogalehrerin. Die ersten Müllsammelaktionen organisierte sie Anfang des letzten Sommers in Kombination mit ihren Yogastunden – wer mitsammelte, bekam die anschließende Trainingseinheit gratis. Was erhofft sie sich von Aktionen wie dieser? „Den Schutz der Umwelt – je weniger Müll durch die Gegend weht, desto weniger kann in Wasserwege (entweder über Flüsse oder durch Einsickern ins Grundwasser) gelangen. Außerdem möchte ich auch ein Bewusstsein bei den Menschen dafür schaffen, dasses nicht okay ist, Müll in die Natur zu schmeißen.“ Dass dies keineswegs selbstverständlich ist, zeigt sich an den großen Mengen Müll, die beim Plogging am beliebten Bonner Freizeitplatz vor dem Hauptgebäude der Uni gesammelt wurden. Pro Person kommen in einer Stunde im Durchschnitt ca. 70 Liter Müll zusammen, je nach Gruppengröße und Verschmutzungsgrad insgesamt bis zu 250 Kilo Abfall im gleichen Zeitfenster. Die Müllbeutel werden den Bonner Ploggern von der städtischen Abfallentsorgung gestellt und anschließend auch durch sie entsorgt.

PRO PERSON KOMMEN IN EINER STUNDE IM DURCHSCHNITT CA. 70 LITER MÜLL ZUSAMMEN.

„WIR MÜSSTEN VIEL FRÜHER ANSETZEN“
Hat der umweltfreundliche Trend die Chance, sich dauerhaft zu bewähren? „Schöner als ein Plogging-Trend wäre natürlich, wenn Müll gar nicht mehr den Weg in die Umwelt finden würde“, meint Annalena. Dieser Meinung ist auch Erik Ahlström. Mit Blick in die Zukunft müssten wir eigentlich viel früher ansetzen, es reiche nicht, erst zu reagieren, wenn der Müll bereits am Boden liegt. Aus diesem Grund veranstaltet der Schwede mit seinem Team auch Seminare für Schulen und Firmen, in denen über die Konsequenzen der Umweltverschmutzung informiert wird und die Teilnehmer zu einem saubereren Lebensstil angehalten werden. Ein respektvolles Miteinander ist aus seiner Sicht nur dann möglich, wenn Menschen ihren Müll nicht achtlos auf den Boden fallen lassen. Denn irgendjemand muss ihn aufsammeln – seien es nun Plogger oder die Mitarbeiter der örtlichen Stadtreinigung.

LIESA DIECKHOFF
hätte in Bonn nicht nur wegen des Glühweins gerne mitgeploggt.


Lust, das umweltfreundliche Sportprogramm selbst zu testen? Hier ein paar Tipps für das nächste Plogging:

  • Die örtliche Abfallentsorgung stellt meist gerne Mülltüten zur Verfügung und kümmert sich um die fachgerechte Entsorgung der Müllbeute. Einfach nachfragen!
  • Feste Schuhe und bequeme Kleidung sind essenziell, Handschuhe eine sinnvolle Ergänzung. Vorsicht vor Glasscherben beim Müllgreifen.
  • Wer’s im Rücken hat, kann auf praktische Müllzangen zurückgreifen.
  • Als handliche Aufsammelbeutel können anstatt Plastiktüten auch waschbare Stoffbeutel verwendet werden. Danach wird der Müll in den großen Mülltüten gesammelt.
  • In der Gruppe ploggt’s sich leichter – wer ein paar Gleichgesinnte motivieren kann, gewinnt an Spaß und Effizienz.
  • Wer durch das Laufen und Bücken nicht genug ausgelastet ist, kann Krafttrainingsintervalle einschieben.
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