Sag´ bescheid

Lass ma‘ reden!

GOTT HAT LUST AUF DIALOG

Ich konnte meine Klappe noch nie halten. Meinen Lehrer in der ersten Klasse veranlasste das zu folgendem Satz auf meiner Beurteilung: „Katharina muss noch lernen, dass sie nicht immer zu allem etwas sagen kann.“ Mittlerweile gelingt das etwas besser. Aber nur etwas. Ich brauche die Auseinandersetzung. Ich will meine Meinung einbringen. Mitdenken dürfen. Und ich wünsche mir ein Gegenüber, mit dem das möglich ist. Mein Reden soll kein Monolog sein, keine Einbahnstraße.
Da sind so viele Fragen, die mich umtreiben, die ich mit anderen weiterbewegen möchte. Da sind so viele Menschen, die mich neugierig machen und deren Meinung ich  entdecken will. Da ist die Erfahrung, dass  mein Denken und meine Ansichten im Dialog bereichert werden. Ich liebe es, wenn sich Gespräche entwickeln, über denen ich die Zeit vergesse. Wenn man sich gemeinsam in Themen vertieft, die Herz und Hirn bewegen. Wenn man die großen und kleinen Fragen des Lebens hin- und herwälzt. Wenn man über neue Erkenntnisse durch andere Blickwinkel staunt. Wenn man hinhört und so Worte für das eigene Erleben findet. Das Eintauchen in Austausch begeistert mich. Und manchmal denke ich, Gott will noch mehr reden als ich. Dabei kam mir das lange gar nicht so vor.

HAT GOTT EIGENTLICH INTERESSE AN MIR?
Mein Bild von Gott war eher das eines Opas auf einer fernen Wolke – wenn es ihn denn überhaupt gibt. Einer, der kein Interesse hat awn der Welt und dem, was hier abgeht. Und schon gar nicht an mir und meinem Leben, meinen Gedanken und meiner Meinung. Und das ging für mich gar nicht.
Gerade die „großen“ Themen trieben mich um – und das sind am Ende die, bei denen Gott eine Rolle spielen könnte. Eines stand fest: Bei Fragen wie „Hat das Leben einen Sinn?“, „Warum ist die Welt, wie sie ist?“ oder „Was passiert nach dem Tod?“ würde ich nicht einfach nur schlucken. Für mich war klar: Ein Gott, der mir vorgibt, was ich dazu zu denken habe, der kann mir gestohlen bleiben. Dann treffe ich mich lieber mit philosophisch Interessierten am Stammtisch (wobei ich dafür eigentlich noch zu jung war). Keine Ahnung, woher dieses Bild von Gott kam. Wahrscheinlich daher, dass ein Gott, der sich für diese Welt interessiert, nicht kompatibel schien mit Eltern, die sich scheiden lassen, Krankheiten, die das Leben einschränken und Gottesdiensten, dich mich langweilen. Dass ich auch gar nicht gewusst hätte, wie ich in Kontakt mit ihm kommen könnte. Und dadurch, dass meine Begegnungen mit „Kirchenleuten“ bis dahin wenig Raum für meine Fragen und mein Denken zugelassen hatten.

DIE SEHNSUCHT NACH EINEM GEGENÜBER
Dann entdeckte ich den Gott, um den es in der Bibel geht. Wenn Gott so ist, wie die Bibel ihn beschreibt, kann ich zu keinem anderen Schluss kommen: Gott hat ein Mitteilungsbedürfnis. Und auch das ist nicht einseitig. Er sucht Kontakt. Er redet. Er will Dialog. Von der ersten bis zur letzten Seite lässt sich zwischen den Buchdeckeln der Bibel ein Gott finden, der Beziehung zu den Menschen will. Beziehung mit Austausch. In der Bibel entdecke ich Gottes Reden, sein Wort zentral.
In der Erzählung von der Erschaff ung der Welt und der Menschen ist es Gottes Reden, das ganz am Anfang steht. Es ruft alles ins Leben. Zum Beispiel einen Garten, in dem er spazieren geht und sich mit den Menschen trifft. Er stellt Fragen, hört hin, gibt Antworten. Was für eine Vorstellung von Gott. Einer, der da ist. Zugleich nahbar und mit Respekt vor der Freiheit, die er mir lässt.
In der Bibel wird immer wieder geschildert, wie Gott mit Menschen redet. Als er nach seinem Namen gefragt wird, stellt er sich tatsächlich vor als „Ich bin da“. Und dieser „Ich bin da“ wird als einer beschrieben, der eng verwoben ist mit den Menschen und dieser Welt. Der in uns Menschen ein Gegenüber sieht. Der sich einlässt. Der diskutiert. Der Antworten hat und uns Fragen zumutet. Der unsere Fragen aushält.

JESUS „VERKÖRPERT“ GOTTES GESPRÄCHSLAUNE
Am deutlichsten ist mir das an Jesus geworden. Durch Jesus kam Gott selbst auf die Erde, zog quasi in die Nachbarschaft. Wir können Geschichten davon lesen, wie er mit seinen Freunden unterwegs war. Sie trafen sich mit Jesus, gingen was trinken, unternahmen was, quatschten. Schon als Vorpubertierender löcherte Jesus die „Kirchenleute“ mit Fragen und gab seine Ansichten zum Besten. Insgesamt überliefert die Bibel über 200 Fragen, die Jesus stellte. Wir können von Gesprächen lesen, von Diskussionen und Festen und Abenden mit leckerem Essen, in denen über Gott und die Welt geredet wurde – mit Gott. Wenn Jesus wirklich was mit Gottes Art zu tun hat, dann liebt auch Gott es, mit den Menschen im Gespräch zu sein.
Und das weckt Sehnsucht in mir. Mit diesem Gott will ich reden. Diesen Gott will ich als Gesprächspartner haben. Wie gerne würde ich mich mal mit Gott auf ’nen Kaffee treffen. So richtig „Face to Face“. „Lass ma’ reden!“ – Ort und Zeit  vereinbaren und los geht’s. Der Earl Grey würde irgendwann Bier und Wein  weichen und ich bin mir sicher, wir säßen bis in die Nacht. Und es würde nicht bei einem Mal bleiben.
Was Gott wohl sagt zu dieser Welt, der Politik, unserer Gesellschaft? Zu den sozialen Verhältnissen, den Krisen, den Freuden, meinem Leben und meinen Fragen? Ja – wir würden lange sitzen. Und ich wäre gespannt darauf zu hören, was er zu sagen hat. Und auf gar keinen Fall würde ich mir den Mund verbieten lassen. Ich würde erzählen und fragen – und wahrscheinlich auch anklagen und nachhören. Und ich bin mir sicher: Er würde genau hinhören und zurückfragen.

HÖREN LERNEN – IM DIALOG
Was für eine Vorstellung. Manchmal bedauere ich, dass es ganz so nicht möglich ist. Aber unmöglich ist es eben auch nicht! In Jesus hat Gott Zeit und Raum betreten, sich sichtbar, greifbar gemacht. Und damit gezeigt, wie viel ihm an der Beziehung zu uns Menschen liegt. Gott hat Lust am Dialog. Große Lust.
Gott und Mensch im Austausch – das ist Gottes Wunsch. Das geht im Gebet, im Gespräch mit ihm. Wenn ich nicht nur rede, sondern versuche „hinzuhören“. Stille zulasse, um ihn zu Wort kommen zu lassen. Das geht, wenn ich in der Bibel lese. In diesen heiligen Schriften, die nicht nur von Gott berichten, sondern durch die Gott bis heute redet und sich mitteilt. Davon sind Christinnen und Christen überzeugt.
Das geht in Predigten, wo mir Zugänge zu diesen heiligen Schriften geschaffen werden. Wenn jemand neu formuliert, was die alten Texte sagen. So kann ich Dialog mit Gott erleben: indem ich mich „seinem Wort“ ganz aussetze. Indem dieses „Reden Gottes“ auf meine eigenen Gedanken, Erlebnisse und Meinungen treffen – und ich der Resonanz nachspüre. Manchmal weckt es Fragen, Zustimmung oder Widerstand. Oft fallen mir Erlebnisse ein, die für oder gegen das sprechen, was ich da lese.

DIALOG WIDER DIE ZWEIFEL
Dialog mit Gott – das begeistert mich. Aber ich kenne auch den Zweifel daran. „Woher weiß ich, dass es wirklich Gott ist?“, hallt es dann in mir. Das ist eine gute und berechtigte Frage, schließlich ist dieser Gott nicht unmittelbar sichtbar und seine Worte sind nicht unmittelbar hörbar. So frustrierend ich es auch finde: Ich kann es nicht beweisen. Und doch habe ich, bei allem Prüfen und Hinterfragen immer wieder den Eindruck: Gott spricht. So wie die Leute in der Bibel, die bestimmte Gedanken und Erlebnisse als Reden Gottes interpretiert haben.
Mal ist es ein leises Ahnen, wenn der Anruf der Freundin im richtigen Moment kommt, ein Bibelvers in passender Situation oder der Einfall, den ich gerade brauchte. Mal eine tiefe Gewissheit, die in mir ist und den Glauben stärkt. Diese Erfahrungen fegen meine Anfragen nicht einfach vom Tisch, mancher Zweifel bleibt – und das ist auch gut so.
Aber wenn Gott wirklich so mit den Menschen im Austausch stehen will, wie die Bibel es skizziert, dann will ich auf diesen Gott als Gesprächspartner nicht verzichten. Ich will hören, was er zu sagen hat, fragen, was ich zu fragen hab, und mir seine Fragen stellen lassen. Ich will bis spät in die Nacht mit ihm und mit anderen ins Gespräch vertieft sitzen. Und ich bin froh, dass ich meine Klappe bei diesem Gott nicht halten muss.

KATHARINA HAUBOLD und andere Evangelisten testen ihre dialogischen Fertigkeiten zwischen dem 20. Februar und dem 2. April auf JESUSHOUSE-Bühnen in ganz Deutschland. www.jesushouse.de

 

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