Sag´ bescheid

Samuel Harfst: „Ich will nicht immer alles zerreden müssen!“

Samuel Harfst hat in seiner musikalischen Laufbahn schon so ziemlich alles erlebt. Vielleicht ist Samuel gerade deshalb ein so angenehmer Gesprächspartner, weil er sich nicht mehr beweisen muss. Ein Gespräch über den Wert des Hier und Jetzt, das Überraschende in der Kunst und Bühnenangst.

Samuel, du bist gerade viel beschäftigt. Anfang September kam das neue Album „Chronik einer Liebe“ raus, demnächst bist du wieder auf Tour durch Deutschland. In diesem Wechsel zwischen den vielen Menschen auf den Konzerten und der Zeit alleine im Hotel – welche Lieblingsmomente hast du in diesem Alltagskontrast?
Ich mag es immer, wenn Sachen passieren, die nicht geplant sind. Das Kennenlernen von interessanten Leuten beim Absacker nach dem Konzert zum Beispiel. Ich schaue mir auch sehr gerne alte Gebäude an. Oder man kommt nachts um halb vier in einer Stadt an und steht an einem Platz, den man sonst nur von Postkarten kennt. Dann hat man diesen Platz ganz für sich alleine – sowas finde ich immer großartig.

Packt dich manchmal noch die Sehnsucht, dich mit der Gitarre in die Fußgängerzone zu stellen?
Total. Mir macht Straßenmusik immer noch genauso Spaß wie früher. Leider ist es inzwischen so, dass wir so viele feste Buchungen haben, dass ein gewisses Live-Pensum erreicht ist. Dann ist man froh, wenn man nicht noch zusätzlich auf der Straße spielen muss. Das hat aber dann nie was damit zu tun, dass wir nicht auf die Straße möchten.

Welche Liebesgeschichte verbindet dich mit deiner Musik?
Musik hat mich schon immer unglaublich fasziniert und ich habe dementsprechend stark darauf reagiert, im positiven und negativen Sinne. In meiner Jugend habe ich bei einigen Musikstilen ganz schnell Kopfschmerzen bekommen. Dementsprechend hatte ich aber auch starke positive Gefühle, wenn eine Komposition oder eine Aufnahme großartig war. Wenn es die eine Liebe in meinem Leben gibt, dann ist es die Musik. Es gibt kein Loch, aus dem mich das richtige Lied nicht rausholen könnte. Vorausgesetzt ich vermag es zu schreiben oder zu spielen.

Wie arbeitest du? Wie entsteht bei dir ein Song?
Am Anfang ist da ein Gefühl, das in Worte und Töne gefasst werden möchte. Es gibt so eine Art Fährte, das kann eine Akkordfolge auf der Gitarre oder auf dem Klavier sein, das kann mal ein Text sein. Musik entsteht nicht im, aber aus dem luftleeren Raum. „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug“, um es in den Worten von Hilde Domin zu sagen. Bei dem aktuellen Album hatten wir ein Lied komplett aufgenommen und dann entstand aus dem Playback ein ganz neuer Song. Dann gibt es andere Lieder, bei denen erst der Text kam wie bei dem Titel Hilde.

Auf dieser Reise zum endgültigen Song: Was würdest du sagen hat sich an deinem Schreibstil in den letzten Jahren bis heute weiterentwickelt?
Ich ziehe nach wie vor ganz viel aus meiner eigenen Biografie, allerdings nicht mehr auf die gleiche Art und Weise wie bei „Audiotagebuch“. Darin hab ich weitgehend aufgeschrieben, was Samuel Harfst zu diesem Zeitpunkt gedacht hat – das Album war wie eine Momentaufnahme meines Lebens. Heute fließen auch Geschichten von anderen mit ein. Früher dachte ich: Das Beste ist die genaue Umsetzung meiner eigenen Vorstellungen. Heute denke ich: Das Beste ist die bestmögliche Komposition. Unser Studio-Slogan lautet: Die beste Idee gewinnt. Ich bin sehr offen dafür, was Leute von außen an eigenen Eindrücken einbringen, ob das jetzt unser Produzent, die Band oder andere Komponisten sind. Das macht mir sehr viel Spaß und dementsprechend bin ich mutiger geworden. Das Nonplusultra entsteht, wenn verschiedene Perspektiven und Einflüsse zusammenfließen. Meine eigene Geschichte ist also weiterhin Inspiration, aber kein limitierender Faktor mehr.
Das vollständige Interview liest du in der Ausgabe 8/15. Hier abonnieren oder kostenlos testen…

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