Vergesst die alten Moralvorstellungen!

Von wegen moralischer Zeigefinger und Opferhaltung: In seinem neuen Buch schreibt Martin Dreyer über Seiten von Jesus, die in Vergessenheit geraten sind. Der Volxbibel-Herausgeber und Gründer der Jesus Freaks im Gespräch über falsche Gottesbilder, Sexualität und Feindesliebe.

Interview: Simon Jahn
Foto: André Wedemann/Fotostudio Berlin

 

Martin Dreyer ist ein Unikat: Der Freaksgründer, Volxbibel-Initiator und „Liebe auf den ersten Blick“-Fernsehtheologe gehört zu den medial präsentesten Persönlichkeiten der christlichen Welt. Trotzdem wagt er sich immer wieder an Projekte und Themen, die anderen zu heikel sind. Das hat ihm den Ruf eingebracht, in theologischen Positionen unvereinnehmbar zu sein. In seinem neuen Buch „Der vergessene Jesus“ hinterfragt er das Christusbild, das Gemeinden durch ihre Sprache und Bibelexegese vom Menschensohn zeichnen.

 

Martin, wir unterhalten uns heute ĂĽber jemanden, den wir beide noch nie gesehen oder getroffen haben. Wer ist denn dieser Jesus eigentlich?

Jesus ist fĂĽr mich Held, Vorbild, Weltveränderer, Gott, Mensch; jemand, den ich anbete, der mir aber auch die FĂĽĂźe wäscht; jemand, zu dem ich hinkommen muss, der…

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Titelthema:Politisch glauben?

Der Glaube ist Privatsache, sagen die einen. Aber wenn wir beten „Dein Reich komme!“ – ist das nicht irgendwie auch politisch?

Nachdem im Juli ein katholischer Priester in Frankreich während einer Messe von islamistischen Terroristen hingerichtet wurde, kam es unter dem Facebook-Post eines gerade sehr angesagten christlichen Redners zu einer intensiven Diskussion. Sein Ruf nach konsequenter Abschiebung von GeflĂĽchteten und Migranten, die straffällig werden, provozierte meine Frage, ob das aus christlicher Perspektive die Antwort sein könne. Martin Luther schrieb dazu einmal brandaktuell: „Die Herrschaft soll sein inmitten deiner Feinde. Und wer das nicht leiden will, der will nicht sein von der Herrschaft Christi, sondern er will inmitten von Freunden sein, in den Rosen und Lilien sitzen, nicht bei bösen, sondern bei frommen Leuten sein. O ihr Gotteslästerer und Christi Verräter! Wenn Christus getan hätte, als ihr tut, wer wäre immer selig geworden?“ Wer Christus nachfolgen will, kann sich nicht dem Bösen dieser Welt entziehen. Die prompte Antwort war vorhersehbar:…

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„Politik kann nicht heilig sein, aber sie ist auch keineswegs dazu verurteilt, schmutzig zu sein.“
Joachim Gauck