Sag´ bescheid

I like giving. Eine Lektion in Sachen Großzügigkeit

Askese oder Gottgegebenes Leben im Wohlstand? Franz von Assisi oder Joyce Meyer? Christen geben durchaus unterschiedliche Antworten, wenn es ums Geld geht. Wie das gehen kann, sein Christsein auch im Umgang mit Geld ganz praktisch zum Vorschein kommen zu lassen, hat Lara Piepiora einen Monat lang ausprobiert.

Dieser Monat ist mein Großzügigkeitsmonat. Lieber hätte ich mich an ein biblisches Kamikaze-Experiment gewagt – einfach das ganze Monatsgehalt spenden und auf Gottes Versorgung spekulieren. Aber ich brauche etwas Realistischeres, Lebensnäheres. Schließlich will ich mich nicht von meiner WG oder meinen besorgten Eltern durch den Monat füttern lassen. Hier geht es nicht darum, mal einen Monat übertrieben auf die Kacke zu hauen und danach weiterzuleben wie bisher. Ich will meinen Lebensstil auf Dauer hinterfragen. Kann man mit seinem Geld nicht mehr anfangen, als kopflos vor sich hin zu konsumieren?

Tag 1: Zum Start ins Projekt lasse ich die Bibel heute mal so richtig durch mein Gewissen trampeln. Zum Beispiel mit Lukas 12,13. „Nehmt euch in Acht! Hütet euch vor aller Habgier! Denn das Leben eines Menschen hängt nicht von seinem Wohlstand ab.“
Nein, ich bin nicht habgierig. Aber ich gehöre auch nicht zu den Superselbstlosen, für die „Geben seliger ist als Nehmen“ das Lebensmotto ist. Macht Teilen glücklicher als haben, haben, haben? Das ist doch mal ein Ansatz. Ich beschließe, an meiner Großzügigkeit zu arbeiten.

Tag 2: Toller Vorsatz gestern – wie arbeitet man denn bitte an seiner Großzügigkeit? Bei meiner ratlosen Suche entdecke ich eine witzige Internetseite. Sie heißt www.ilikegiving.com. Auf ihr sind jede Menge verrückter Ideen zum Thema Großzügigkeit, dazu ein Button, den man anklicken kann, wenn man es schon ausprobiert hat. Ein paar Beispiele: „Zahle den Kaffee der Person, die hinter dir steht.“ (178 Klicks) „Gib bei deinem nächsten Restaurantbesuch ein Trinkgeld von 100 Prozent.“ (116 Klicks) „Nimm einen Fünfzigeuroschein und schenke ihn einem Fremden.“ (36 Klicks)
Fünfzig Euro, einfach so? Da regt sich in mir Widerstand. Grundlos großzügig sein, das liegt mir nicht. Nach dem Motto: Wenn ich schon etwas von meinem Geld weggebe, dann soll die andere Person es auch wirklich brauchen und gefälligst etwas bewirken. Wo soll man denn sonst anfangen, und wo aufhören? Großzügigkeit als Selbstzweck überfordert mich. Ich vertage meine Großzügigkeitsaktion fürs erste.

„Kann man mit seinem Geld nicht mehr anfangen, als kopflos vor sich hin zu konsumieren?“


Tag 6:
Ich bin krank. Nicht mental, weil ich doch einfach grundlos einen Batzen Geld verschenkt habe, sondern körperlich. Mit schwerem Kopf, verstopfter Nase und einem überaus unangenehmen Kratzen im Hals marschiere ich zum Arzt. Auf dem Weg begegne ich einem Obdachlosen. Das grenzt schon beinahe an Ironie. Erstens, weil ich vor wenigen Minuten noch gebetet habe, dass ich mal einen Impuls für meinen Großzügigkeitsvorsatz bekomme. Und zweitens, weil es nicht irgendein Obdachloser ist. Ich kenne den Mann und weiß, dass er das Geld wirklich in Essen und nicht etwa in billigen Fusel investiert. Hallo Herausforderung, hier bin ich! Ich krame in meinem Portmonee. Kein Cent Kleingeld mehr da. Also gut, dann mache ich jetzt halt mal etwas, was ich noch nie getan habe: Ich zücke einen Schein. Der Mann kann sein Glück kaum fassen, von den Leuten um mich herum ernte ich entsetzte Blicke. Komischerweise tut es mir gar nicht weh, dass ich jetzt auch noch fast zwanzig Euro für Medikamente in der Apotheke lassen muss. Manchmal kann das Leben so einfach sein.

Tag 7: Okay, das ist jetzt wirklich gruselig! Und ich will auch gar nicht behaupten, dass so was regelmäßig passiert oder man darauf spekulieren sollte. Gott scheint gerade einfach Humor zu haben. Jedenfalls lässt sich meine Mutter heute nicht davon abbringen, mir Geld zu schenken. Und zwar exakt so viel, wie ich gestern verschenkt habe. Muss nur ich an 2. Korinther 9,8 denken? „Er wird euch dafür alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. So werdet ihr nicht nur selbst genug haben, sondern auch noch anderen von eurem Überfluss weitergeben können.“ Übrigens sind Paulus‘ Ausführungen über Geld in 2. Korinther 9 generell ganz interessant – die Korinther brauchten wohl auch eine Anleitung in Sachen Großzügigkeit. Ermutigend!

Tag 10: Wie ernüchternd! Ich merke, wie ich in kleinen Dingen geize. Wie ich zwanzigmal darüber nachdenke, bevor ich ein großzügiges Trinkgeld gebe (und ich spreche gerade noch nicht mal von den einhundert Prozent), aber ohne mit der Wimper zu zucken irgendwelchen Ramsch kaufe, den ich morgen schon wieder vergessen habe. Das Schlimmste: Wenn ich mir nach meinen zwischendurch auftauchenden Großzügigkeitsanwandlungen innerlich auf die Schulter klopfe, als wäre ich Mutter Teresa herself. Finde die Gratwanderung zwischen Selbstgerechtigkeit und einem „Sich-selber- unter-permanenten-Druck-Setzen“ ganz schön heikel. Ich nehme mir vor, mich und meinen Konsum jetzt öfter zu hinterfragen. Wie heißt es doch so schön? „Wer viel hat, kann auch viel geben.“ (frei nach Lukas 12,48) Zu mir selbst bin ich doch auch großzügig – warum nicht zu anderen?

Du willst den ganzen Artikel lesen? Dann bestell dir DRAN NEXT und teste das Magazin.

Lara Piepiora versucht sich auch weiterhin in Großzügigkeit. Vielleicht wird ja ein Lebensstil draus.
Bild: deviantart by dioma

 

Sag´ bescheid

Hinterlasse doch Kommentare  |  0

Kommentar verfassen