Sag´ bescheid

Das Leben verlernen

Leben. Wir haben eine Vorstellung davon, wie das geht. Bis Jesus uns mit auf eine Reise nimmt, die uns verunsichert – und manches begreifen lässt.

Schimmernde Perlmuttknöpfe in ordentlichen Doppelreihen, die sich von der Weste nach unten hin fortsetzen zu einem Markenzeichen der Handwerkszunft: dem doppelreihigen Hosenstall. Der einzige, der seinen Namen wirklich verdient. Vor mir steht ein Zimmermann, pardon, eine Zimmerfrau (das nenne ich einmal echte Emanzipation), ich nehme sie ein Stück des Weges mit. Sie erzählt von der Walz, ihrer Wanderung, ihrem Stück Abenteuer inmitten einer digitalen, bürokratischen Welt der Sesselsitzer und Bürohengste. Warum sie auf die Walz gegangen ist, frage ich sie, sie schaut mich erstaunt an: „Um zu lernen. Schlechte Gewohnheiten ablegen und Neues lernen kann man nur unterwegs“. Ihre Worte klingen noch lange nach.

Es gibt einen herrlichen Begriff für diejenigen, die auf Wanderschaft gehen: Fremdgeschriebene. „Fremdgeschrieben“ zu sein, bedeutet für den Gesellen, dass er sich der eigenen Heimat – unter der Strafe der Ächtung – auf fünfzig Kilometer nicht nähern darf. Er soll das Fremde kennenlernen, die Art, wie andere Zimmermänner arbeiten und andere Kulturen leben. Nach drei Jahren und einem Tag endet die Walz mit der Einheimischwerdung. Nicht selten an einem neuen Ort, in einer neuen Kultur.

Als Jesus die ersten Jünger auf seinen Weg ruft, verspricht er ihnen eine Reise, die nichts anderes ist als eine Walz.

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